Neigungskurs
Miteinander leben - Menschen mit Handicap

Ziel

Dieser Kurs verfolgt das Ziel, die Schüler mit den Problemen von Menschen mit Behinderung sowie der pflegebedürftigen älteren Bürger bekannt zu machen. Der Kurs soll zeigen, wie sich die Betroffenen in Selbsthilfeorganisationen bemühen, sich in die Gesellschaft zu integrieren, was ihnen aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Behinderungen nicht ganz selbständig gelingen kann. Da die Mithilfe der Gesellschaft nötig ist, sollen die Jugendlichen berufliche Wege auf der Basis der Alten- und Pflegeheime kennenlernen und ebenso viele Möglichkeiten der notwendigen ehrenamtlichen Tätigkeit aufgezeigt bekommen. Durch persönliche Kontakte zu Alten, Körperbehinderten, Sehbehinderten und Blinden, Hörgeschädigten und geistig Behinderten üben sich die Jugendlichen im Umgang mit Menschen mit Handicap und werden lernen, diese nicht als Randgruppe zu verstehen, sondern als ganz normale Mitmenschen. Bild2.jpg (29569 Byte)

 

Berichte zu einigen Veranstaltungen im Rahmen des Projekts

1. Teilnahme an der Mitgliederversammlung des Behindertenverbandes Aue e.V.

Große Aufregung gab es, als wir dann am 9. Oktober an der Mitgliederversammlung des Auer Behindertenverbandes teilnahmen. Wir hatten eine Erklärung vorbereitet, um unsere Anwesenheit zu begründen. Mandy hatte vor lauter Aufregung ihren Text auswendig gelernt. Katrin sah man das Lampenfieber förmlich an. Dann war es so weit. Sie standen vorn, trugen ihren Text vor, und die ca. 80 anwesenden Mitglieder hörten aufmerksam zu. Unter anderem hieß es: "Von der heutigen Veranstaltung erwarten wir Eindrücke zu gewinnen über einen Verband, in dem die Behinderten die Geschicke selbständig in die Hand nehmen und nicht nur versorgt werden wollen. Wir würden sehr gern mit einigen aktiven Vertretern sprechen, zum Beispiel interessiert uns, wie so eine Verbandszeitschrift entsteht, wie die Gelder verwaltet werden, welche Veranstaltungen regelmäßig geplant werden, wie die Beförderung von Schwerstbehinderten zu solchen Veranstaltungen erfolgt, wie Probleme behandelt und gelöst werden. Wir selbst wohnen alle im Neubaugebiet von Lößnitz, es wäre sehr schön, wenn einige Mitglieder des Verbandes, die auch dort wohnen, heute auf uns zukämen und mit uns ein paar Worte wechseln würden, so dass wir, wenn wir uns begegnen, erste Kontakte fortsetzen können."

Die Schüler erhielten viel Beifall.

Schülermeinungen nach der Veranstaltung:

Mandy: "Als wir mit unserer Rede fertig waren, haben wir sehr viel Applaus bekommen und uns sprachen sogar viele Leute an. Sie sagten, dass sie es ganz toll finden, dass wir uns für Behinderte einsetzen. Frau Neumann hat uns zu sich nach Hause eingeladen."

Susan fand den Tag sehr aufregend und interessant. Sie wunderte sich, dass über so viele Probleme diskutiert wurde, wobei vieles für Nichtbehinderte gar kein Problem wäre, denn sie können laufen und würden nicht einmal merken, dass eine Stufe für den Rollstuhlfahrer ein echtes Hindernis ist.

Katrin: "Ich war sehr überrascht, dass die Mitglieder des Verbandes so locker und ehrlich über alle Probleme gesprochen haben, zum Beispiel über Krach mit der Nachbarschaft, Inhalte des Rechenschaftsberichts oder über die Finanzen, obwohl wir dabei waren. Ich fand es voll nett, dass sich Frau Neumann bei uns bedankt hat, dass wir so eine Veranstaltung verfolgen. Mich hat auch enorm beeindruckt, dass wir Herrn Siebe im Rollstuhl ein Stück schieben durften.

 

 

2. Besuch bei Ehepaar Neumann in einer behindertengerecht gestalteten Wohnung

Am 16. 11. 99 fuhren wir mit 3 PKW (5 Jugendliche, 2 Lehrer und Vorsitzender des Auer Behindertenverbandes) zu Familie Neumann. Als Gastgeschenk überreichten wir selbstgefertigte Fensterbilder. Allerdings staunte ich nicht schlecht, dass alle noch ein persönliches Geschenk mitbrachten. An der Kaffeetafel mit unserem Stollen und Neumanns belegten Brötchen, Gebäck und Schokolade erzählte uns Frau Neumann viel über ihr Schicksal im Zusammenhang mit den beiden Schlaganfällen ihres Mannes. Wir waren sehr beeindruckt, dass beide das Leben so optimistisch und fröhlich meistern, obwohl Herr Neumann nur noch seinen linken Arm bewegen kann, weder lesen, schreiben noch richtig sprechen kann. Sie berichtete über Begegnungen mit Menschen im Alltag, die manchmal sogar wegschauen, um nicht helfen zu müssen, aber auch über die Unterstützung, die sie vom Behindertenverband erhielt und damit Mut schöpfte zum Erkämpfen einer behindertengerecht gebauten Wohnung. Ihre Kraft nutzt sie nicht nur für sich allein, nein, sie hat auch viel für ihre Nachbarschaft erreicht und setzt sich ebenso für eine Hilfsmittelaktion für polnische Behinderte ein. Bild5.jpg (33310 Byte)
Bild6.jpg (33791 Byte) Die Jugendlichen bestaunten die Wohnung: eine praktisch eingerichtete Küche, das verstellbare Bett im Schlafzimmer, die Haltegriffe in der Toilette und an Stelle der Badewanne eine mit Rollstuhl befahrbare Dusche. Der Fahrstuhl im Haus befördert Herrn Neumann sowohl von der Wohnung im Hochparterre nach draußen als auch in seinen Keller, in dem bereits einige technische Hilfsmittel für die bekannte Rollstuhlgruppe in Polen aufbewahrt werden.

Mit meiner Kollegin, Frau Fahle, die polnisch übersetzen kann, und meinem Mann, der diesbezüglich Verbindung zu seinem Bundesverband herstellte, beschlossen wir, diese Aktion zu unterstützen.

 

3. Kontakte zum Alten- und Pflegeheim

Die Mittelschule Neustadt Lößnitz befindet sich in einem Neubaugebiet. An unseren Schulhof grenzen sowohl die Grundschule, mit der wir schon lange einen guten Kontakt pflegen, als auch das Pflegeheim, zu dem wir bisher keinerlei Beziehung hatten. Mit Beginn des Schuljahres suchten wir die Bekanntschaft zu unseren älteren, pflegebedürftigen Nachbarn, z.B. durch:
    - Besichtigung des Alten- und Pflegeheimes,
    - Teilnahme an einer Sportstunde während der Herbstferien,
    - viele persönliche Besuche der Jugendlichen ohne mich,
    - Fototermin zum Spaziergang, weil die Bordsteinkanten nach Bauarbeiten mit den Rollstühlen nur schwer zu überwinden sind,
    - Termin im Ordnungsamt des Rathauses betreffs der Bordsteinabsenkung unter Vorlage unserer Fotos.

Da die Jugendlichen viel Wärme für die Heimbewohner entwickelten, beschlossen wir, eine Einladung zu unserem Schul-Nikolausfest auszusprechen. 12 Personen und 4 Pflegekräfte wurden uns angekündigt, dabei 6 Rollstuhlfahrer - und das in unserer Schule, mit Treppen.

Bild3.jpg (30893 Byte)    Bild4.jpg (19769 Byte)

Die Kursteilnehmer hätten dies alles nie allein bewältigen können, aber auf einmal integrierten sich automatisch viele Klassen:
Die 10b kam mit, um unsere Gäste abzuholen. Die Jungen sowie einige Pfleger transportierten die Rollstuhlfahrer (Schüler: "Ich hätte nicht  gedacht, dass das so schwer ist).
Die 8b bewirtete unsere Gäste ganz spontan mit Kinderbowle.
Die Jugendlichen des Kurses organisierten im vorgesehenen Klassenraum die Verteilung der Tannenzweige und Schmuck zum Herstellen von Weihnachtsgestecken, die unsere Gäste mit unserer Unterstützung selbst herstellten, um damit ihre Zimmer im Heim zu schmücken.
Mandy und Anja brachten Kuchen mit und bewirteten damit unseren Besuch.

Nach dem Rundgang durch die einzelnen Klassenzimmer kamen unsere Omi’s und Opi’s strahlend und beschenkt mit bemalten Gipsfiguren, von den Kindern gefertigten Karten und vielen anderen Kleinigkeiten zurück. Diese netten Gesten entstanden aus der Situation, denn es wussten nur wenige Kinder, dass wir Gäste aus dem Pflegeheim erwarteten.

Gerade zur Vorweihnachtszeit war es für viele von uns, ob Schüler oder Lehrer, eine große Freude zu sehen, wie herzlich sich unsere Nachbarschaft freuen konnte, und immer wieder betonte, wie schön es wäre.

Beim Heimweg waren dann plötzlich eine Reihe kräftiger Jungen aus ganz anderen Klassen da, um an den Treppen zuzupacken oder ihre Hilfe anzubieten.

Die 10er begleiteten uns wieder zurück und hatten noch eine besondere Überraschung. Sie waren den ganzen Vormittag mit Basteln von Weihnachtsgestecken beschäftigt, um den Heimbewohnern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht zu uns laufen konnten, eine Freude zu bereiten. Ganz besonders nett wurde das vom Pflegeheim organisiert, denn die Jugendlichen durften auf den Stationen ihre Geschenke persönlich überreichen.

Ihr Resümee: Ein so schönes Nikolausfest haben wir noch nicht erlebt.

Und unsere Gäste: "Zum Frühlingsfest kommen wir bestimmt wieder!"

Die Jugendlichen des Kurses und ich hatten nie erwartet, dass unsere Projektidee so große Ausstrahlung haben würde.

Gisela Siebe

H schule_klein.gif (2833 Byte) me Zurück zu Projekte und Kurse